17.09.2026

Allianz zirkuläres Bauen Münsterland: Auftaktveranstaltung zeigt Potenziale der Kreislaufwirtschaft auf

Wie können Baustoffe länger genutzt, Bauteile wiederverwendet und wertvolle Rohstoffe im Kreislauf gehalten werden? Antworten und konkrete Beispiele standen im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung des Projekts „AziBauM – Allianz zirkuläres Bauen Münsterland", die im Demonstrationszentrum für Bau und Energie der Handwerkskammer Münster stattfand.

Die Auftaktveranstaltung des Projekts ,AziBauM – Allianz zirkuläres Bauen Münsterland‘ stieß bei den Besucherinnen und Besuchern auf reges Interesse.

Auf dem Programm standen die Vorstellung des neuen Projekts, eine Keynote der Sustina AG mit Einblicken in das Wohnquartier Deilegrund, ein Interviewpanel zu zirkulären Baustoffen mit SORIWA sowie die Eröffnung der Ausstellung „Kreis statt Krise" der Cradle to Cradle NGO. 

Wie gelingt der Wandel zu einer Bauwirtschaft, die Materialien nicht verbraucht, sondern wiederverwendet? Genau darum geht es bei AziBauM. Das Projekt bringt Wissen und gute Beispiele aus dem Münsterland zusammen: Unternehmen, Handwerk, Wissenschaft, Kommunen und Bildungseinrichtungen tauschen sich aus, lernen voneinander und bringen zirkuläres Bauen und Sanieren gemeinsam in die Praxis. Ziel ist es, die Region als Vorreiter für zirkuläres Bauen zu positionieren und langfristige Strukturen für Wissenstransfer, Kooperation und Innovation zu schaffen.

Keynote stellt Prinzipien des zirkulären Bauens vor

In ihrer Keynote stellte Andrea Scholz, Circular Business Development bei der Sustina AG, die Prinzipien des zirkulären Bauens vor – allen voran eine sortenreine und demontierbare Materialauswahl. Welche Konsequenzen das für die Baustelle hat, brachte sie auf den Punkt: „Zirkuläres Bauen heißt für uns: Materialien im Kreislauf halten und Gebäude als Materialdepot der Zukunft denken. Dafür müssen wir Timing und Abläufe auf der Baustelle neu denken. Rückbau und Wiederverwendung brauchen von Anfang an ihren eigenen Platz im Bauzeitenplan."

Wie diese Prinzipien in einem laufenden Bauprojekt angewendet werden, zeigte Philip Liebhold, Technische Projektentwicklung Zirkuläres Bauen bei der Sustina AG, am Beispiel des Wohnquartiers Deilegrund in Essen-Kupferdreh. Dort entstehen 129 Wohnungen in Holzbauweise; gemeinsam mit der Firma Wiedergewonnen wurden beim Rückbau des Bestandsgebäudes Ziegel für die Wiederverwendung geerntet, das Quartier ist zudem Pilotprojekt für einen Gebäuderessourcenpass.

„Am Wohnquartier Deilegrund erproben wir die praktische Umsetzung zirkulärer Bau-Ansätze. Mit der Wiedergewinnung von mehr als 50.000 (über 100 Jahre alter) Klinkersteine während des Rückbaus unserer Bestandsgebäude, retten wir das hochwertige Material und bringen es bei der Herstellung der neuen Erdgeschoss-Fassaden vor Ort und quasi ohne neue CO2-Emissionen wieder ein." sagt Philip Liebhold, Technische Projektentwicklung für Zirkuläres Bauen bei der Sustina AG. "Partnerschaftliche Planung, Mut und einfach mal Machen - damit können wir die Bauwende wirklich vorantreiben."

Ausstellung veranschaulicht Materialienrecycling in geschlossenen Kreisläufen

Im Anschluss wurde die Cradle to Cradle-Ausstellung „Kreis statt Krise" eröffnet. Anhand von Alltagsbeispielen – von kreislauffähiger Kleidung über kompostierbare Verpackungen bis hin zu nachwachsende Baustoffen – wird veranschaulicht, wie Produkte und Materialien von Anfang an für geschlossene Kreisläufe gedacht werden können. Statt einer klassischen C2C-Werkstatt erwartete die Besucher:innen ein Quiz, bei dem es Preise zu gewinnen gab.

Die Ausstellung „Kreis statt Krise" ist ab sofort bis zum 15. Dezember 2026 im Demonstrationszentrum für Bau und Energie zu sehen. Geöffnet ist sie montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, am ersten und vierten Donnerstag im Monat bis 18 Uhr. An diesen Tagen findet um 17 Uhr eine öffentliche Führung statt. Der Eintritt ist frei. Bei Interesse werden auch Führungen für Gruppen angeboten.

Koordiniert wird AziBauM von der Handwerkskammer Münster gemeinsam mit sieben Partnern: dem Münsterland e.V., der FH Münster (Institut IWARU), der Wirtschaftsförderung Münster GmbH, der WESt mbH, der WFG Kreis Borken, der Wirtschaftsförderung Kreis Warendorf und der Kreishandwerkerschaft Coesfeld. Das Projekt läuft von Juli 2026 bis Juni 2029. Das Projekt AziBauM wird im Rahmen des Programms EFRE.NRW 2021–2027 aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

 

Kontakt bei der HWK Münster

Franziska Lehmann